Honorary Lecture

Gerhard Schroth

Gerhard Schroth wurde am 8. Januar 1949 in Calw, Baden-Württemberg geboren und ist dort in einem kleinen Schwarzwalddorf aufgewachsen. Er hat in Tübingen Philosophie und Medizin studiert und sich nach Absolvierung des Wehrdienstes zum Facharzt Neurologie weitergebildet. Seine Begeisterung für Handwerk und Technik und die neuen bildgebenden Verfahren haben ihn bewogen, 1982 in die Radiologie und Neuroradiologie zu wechseln, wo er ab 1985 die Forschung und neuroradiologische Routine am ersten klinischen MR-Gerät einer Universität in Deutschland geleitet hat. Die Arbeiten seiner Habilitation von 1989 über die kernspintomographische Darstellung des Liquorflusses wurden mit dem Kurt-Decker-Preis der DGNR und dem Röntgenpreis der Deutschen Röntgengesellschaft ausgezeichnet.

Von 1990 bis 1992 wurde er als Oberarzt und Akademischer Rat der Universität Tübingen zu einer Ausbildung in interventioneller Neuroradiologie beurlaubt, die er mehrheitlich an der Universität Zürich absolviert hat. 1992 hat ihn die Medizinische Fakultät der Universität Bern zum Leiter der Abteilung für Neuroradiologie gewählt, wo er bis zu seiner Emeritierung 2014 tätig war.

In dieser Zeit wurde die Abteilung zum Universitätsinstitut und sein Extraordinariat zum Ordinariat befördert. Neben seiner Tätigkeit als Direktor dieses Institutes war er ab 2006 Chair des Departementes Radiologie, Neuroradiologie und Nuklearmedizin. Schwerpunkt blieb die klinische Arbeit; es war ihm wichtig, bis zur Emeritierung in der Routine mitzuarbeiten und am interventionellen Nacht- und Bereitschaftsdienst seines Teams teilzunehmen.

Seine Forschungsschwerpunkte, die sich in mehr als 300 «peer reviewed» Publikationen als Erst- und Co-Autor niederschlagen, sind Themen der MR-Bildgebung und der interventionellen Neuroradiologie gewidmet. Bereits ab 1992 wurden in Bern schwere Hirninfarkte endovaskulär behandelt und in Bern wurden auch bereits 1997 die ersten Karotisverschlüsse im akuten Schlaganfall mechanisch rekanalisiert und gestentet; die beiden ersten damals behandelten Patienten haben sich komplett erholt und gehen auch heute noch im hohen Rentenalter ihren Hobbys nach. Bereits ab Anfang 1993 wurden in Bern auch die ersten Aneurysmen «gecoilt» – damals noch in Lokalanästhesie und mit bescheidenen monoplanen Roadmap-Techniken.

10 Habilitationen und zahlreiche Promotionen sind die Frucht einer aktiven Mitarbeiterförderung. Als überzeugter Europäer und Deutsch-Schweizer Doppelstaatsbürger war ihm die multinationale Zusammenarbeit besonders wichtig. Er hat seine Mitarbeiter/Innen motiviert, die europäischen Zertifizierungen für die diagnostischen, interventionellen und pädiatrischen Subspezialitäten der Neuroradiologie zu erwerben; anfallende Aus-und Weiterbildungskosten wurden und werden für alle Mitarbeiter – auch heute noch – vom Pool des Institutes getragen.

Die Breite des Fachgebietes wurde dabei nie vernachlässigt: unter Leitung eines neu geschaffenen Extraordinariates wurde ein Bildlabor für «advanced neuroimaging» aufgebaut, in dem Grundlagenforscher und Ärzte translational zusammenarbeiten um die molekulare und funktionelle Bildgebung weiter zu entwickeln und um Ärzte und MTRAs in der Anwendung dieser Techniken zu schulen; die für die Zukunft wichtige Teleradiologie wurde vorangetrieben und im Jahre 2012 konnte das Institut für alle Bereiche der Dienstleistung, Forschung und Lehre ISO-zertifiziert werden.

Nach seiner Emeritierung ist Prof. Schroth als Senior Consultant weiterhin in Teilzeit in der Neuroradiologie in Bern tätig, und er hat in dieser Funktion erfolgreich vor Ort das Neurocentro della Svizzera Italiano in Lugano beim Aufbau einer interventionellen Neuroradiologie unterstützt.

HONORARY LECTURE
Qualitätskontrolle unterschiedlicher Rekanalisationstechniken beim Schlaganfall

Freitag, 11. Januar (10:50-11:40)
Raum B 05-07